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Die Dauerwelle in der Politik

Die Dauerwelle in der Politik

Ich mag Politiker – ganz ehrlich. Ich finde wirklich, dass man oft zu hart mit ihnen ins Gericht geht. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass eine große Mehrheit unserer Volksvertreter mit guter Absicht diesen Beruf anstreben. Im Laufe der Zeit verlieren sie vielleicht mal das Allgemeinwohl aus den Augen, aber das kennen wir doch alle. Eine Friseurin z.B. hat bestimmt zum Beginn ihrer Laufbahn den Traum die Menschen mit ihrem Styling schöner zu machen. Im Alltag sitzt man dann vor der x-ten Rentnerdauerwelle und tut nicht mehr als nötig, damit wenigstens ein paar Euro Trinkgeld rausspringen.

So ergeht es auch unseren Politikern. Sie sind dem Allgemeinwohl verpflichtet und wollen Schaden vom deutschen Volk abwehren. Wenn man dann aber ständig von irgendwelchen Motzkis bedrängt wird, dann geht man irgendwann den Weg des geringsten Widerstands. Denn für jede noch so verrückte Meinung gibt es in Deutschland eine Interessenvertretung.

Atomkraft will keiner mehr. Windkrafträder sind prima, aber bitte nicht in meiner Nähe. Stromleitungen müssen gebaut werden, aber doch nicht hier. Die Strassen müssen dringend ausgebessert werden, aber doch nicht wenn ich auf dem Weg zur Arbeit bin. Fahrradwege – wir brauchen mehr Fahrradwege, aber nicht auf dem Gebiet, dann da lebt der seltene Schwanzlurch.

Meine Heimatstadt hat z.B. zehn öffentlich Schwimmbäder. Bei einer Einwohnerzahl von ca. 300.000 ist das ein ganz schöner Luxus. Jedem ist klar, dass man sich das auf Dauer nicht leisten kann. Jeder Schwimmfreund besteht aber auch darauf, dass auf gar keinen Fall sein Bad geschlossen werden darf. Als Bürgermeister muss man dann natürlich Diplomat sein. Ich könnte das nicht. Ich würde mich an den Beckenrand stellen, reinpinkeln und feierlich rufen „Diese Bad ist ab sofort geschlossen“. Überhaupt sollten die Politiker viel häufiger Tacheles reden. Ich wähle schließlich damit die dann die Entscheidungen treffen. Da muss man den Leuten auch mal weh tuen.

Einer Bürgerinitiative gegen Strommasten würden ich einfach mal den Saft für 14 Tage abstellen. Da würden die bumsfidelen Oberstudienräte doof gucken, wenn der Akku vom MacBook Air leer ist. Sollen die doch mit einem Solarkocher ihren Bio-Thymian-Tee aufbrühen. Den vom Aussterben bedrohten Schwanzlurch schmeißt man dann beim Sommerfest der Partei lecker auf den Grill und der Fahrradweg kann endlich gebaut werden.

So weit wird es wohl leider nicht kommen. Die deutsche Politik wird weiter traditionell an ihrer Dauerwelle werkeln. Den stylischen Befreiungsschlag wird kein Volksvertreter mehr wagen.

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