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Das Internet der Idioten

das internet der idioten

Das Internet ist eine toller Erfindung. Kaum ein Medium hat die Welt so verändert. Das Wissen der Welt ist für große Teile der Bevölkerung abrufbar und es gibt unzählige Möglichkeiten mit Menschen in Kontakt zu treten. Das ist aber auch die große Schwäche des Webs.

Dorftrottel im analogen Zeitalter

Vor nicht allzu langer Zeit nannte man Menschen mit abstrusen Ideen einfach Dorftrottel. Jeder kannte in seinem erweiterten sozialen Umfeld jemanden, der nicht ganz richtig tickte. Ob es nun ein Anhänger rassistischer Ideen war, die Freimaurer unsere Welt lenken, die Aliens längst unter uns weilen oder die Amerikaner nie auf dem Mond waren – die Themen waren vielfältig. Auch wenn diese Leute ihre Theorien mit Feuereifer propagierten, blieben sie doch einfach die Dorftrottel. Manchmal waren sie ein wenig nervig und gerade rassistische Äußerungen waren  einem unangenehm, aber sie waren halt die Dorftrottel und trotz allem geistigen Dünnschiss auch ganz amüsant mit ihrem konstruierten Weltbild. Natürlich wurde spekuliert, warum seine Murmel nicht mehr richtig tickt. Gerüchteweise musste dann eine zu enge verwandtschaftliche Beziehung von Mutter und Vater herhalten. Ich glaube das nicht – ich bin der Meinung, dass bei der Produktion der Menschen auch mal ein „Montagsstück“ dabei ist. Anatomisch voll okay, geistig nicht behindert – aber irgendwo wurde im Gehirn gemurkst. Das war auch alles kein Problem. Der Dorftrottel lebte zufrieden in seiner Welt und das soziale Umfeld hatte seinen Spaß. Leider kam dieses Gleichgewicht durch das Internet in eine Schieflage.

Alle 11 Sekunden finden sich zwei Idioten im WWW

Der geistig zurückgebliebende Außenseiter hatte eigentlich fast keine Möglichkeiten andere seiner Art zu treffen. Viel zu abstrus waren seine Ideen und viel zu große seine Angst die gewohnte Umgebung zu verlassen. Durch das Internet ergaben sich für den Dorftrottel leider ganz neue Möglichkeiten. Die Idioten begannen sich zu vernetzen. Sie fanden sich in Internetforen, merkwürdigen Chats und natürlich bei Facebook. Die Euphorie war groß. Endlich war man nicht mehr alleine. Man tauschte sich aus und festigte seine kaputten Theorien. Das ist so weit auch noch okay. Aber leider führte dies zu einer verzerrten Wahrnehmung. Der Dorftrottel fühlt sich auf einmal als Teil einer großen Bewegung. Informationen holt er sich nur noch auf den Webseiten, die seinem Weltbild entsprechen. Das hat den Vorteil, dass er sein eigenes Weltbild nicht mehr hinterfragen muss. Sollte er dann doch mal über konträre Meinungen im Internet stolpern, dann fällt sofort das Killerargument der „staatliche gelenkten Medien“. Großzügig eröffnet er Andersdenkenden, dass „sie irgendwann auch mal aufwachen werden“.

Mit der Vernetzung der Schwachmatten könnte mal als vernünftiger Mensch ja eigentlich auch noch leben. Nur leider sind die Dorftrottel in Gemeinschaft so schrecklich laut. Überall müssen sie ihre konstruierten Theorien posten und das führt zu einer verzerrten Wahrnehmung. Es sind aber noch immer Idioten und genauso sollte man sie auch behandeln.

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